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Betriebliche Krankenversicherung: Nachteile im Check 

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) gewinnt als Benefit für Arbeitnehmer zunehmend an Bedeutung. Viele Unternehmen nutzen sie gezielt, um Fachkräfte zu binden und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Doch lohnt sich die Einführung einer bKV für jedes Unternehmen – oder gibt es auch Nachteile?
In diesem Artikel prüfen wir die möglichen Nachteile der betrieblichen Krankenversicherung – sowohl aus Sicht von Arbeitgebern als auch aus Sicht der Arbeitnehmer. Damit Sie als Unternehmer eine fundierte Entscheidung treffen können.

Hat die betriebliche Krankenversicherung Nachteile für Unternehmen?   

Die Einführung einer bKV bringt nicht nur Benefits mit sich – es gibt auch einige Herausforderungen, die Unternehmen kennen sollten. 

Kostenbelastung für den Arbeitgeber

Die Finanzierung der bKV erfolgt in der Regel durch den Arbeitgeber. Besonders bei größeren Teams oder gehobenen Tarifen können die monatlichen Beiträge erhebliche Kosten verursachen – ohne dass damit automatisch eine Rendite im Sinne von Produktivität oder Mitarbeiterbindung garantiert ist. 
Zudem ist die langfristige Verpflichtung zur bedenken, die normalerweise mit der Einführung einer bKV eingegangen wird. Es ist selbstverständlich möglich, dass Arbeitgeber wieder aus dem System aussteigen, aber ein solcher Schritt sollte gut durchdacht sein. Ein späterer Ausstieg kann zu Reputationsverlust oder Unmut in der Belegschaft führen, besonders wenn die bKV zuvor als attraktives Benefit beworben wurde.
 

Einschätzung vom Experten

Ob sich die bKV für Ihr Unternehmen lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, wie Sie konkrete Vorteile erzielen – und Risiken frühzeitig ausschließen 

Frank Liepner, Geschäftsführer der SHL

frank freisteller kurz

Wie steht es um den Verwaltungsaufwand bei der bKV? 

Für den Arbeitgeber kann der Aufwand bezüglich der Verwaltung steigen. Im Regelfall ist die Arbeit nicht mit dem Unterzeichnen des VErsicherungsvertrages und der einer einmaligen Einrichtung abgeschlossen. Unter folgenden Bedingungen fallen neue verwaltungstechnische Arbeiten an:

  • Meldung neuer Mitarbeitender 
  • Austritte und Vertragsänderungen 
  • Kommunikation mit dem Versicherer 
  • Abwicklung von Gesundheitsleistungen 
  • Organisation von Vorsorgeuntersuchungen 

Im Vorteil sind die Betriebe, die ihre Mitarbeiter digital verwalten und auch sämtliche andere Verwaltungsangelegenheiten schon weitestgehend digitalisiert haben. Die moderne Technik kann auch hier eine enorme Hilfe sein. 

Anbieterwechsel als Sonderfall:

Ein Wechsel des Anbieters ist in der Regel nicht kurzfristig realisierbar, da viele Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen Verträge mit längeren Laufzeiten abschließen. Wird der bestehende Vertrag fristgerecht gekündigt und ein neuer Anbieter gewählt, ist dieser Prozess meist mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden. Hinzu kommt: Nicht selten stellt sich erst im Nachhinein heraus, dass bei vergleichbaren Kosten ein geringerer Leistungsumfang geboten wird. Daher sollte ein Wechsel des Versicherungsunternehmens niemals unüberlegt erfolgen – eine sorgfältige Prüfung aller Konditionen und Auswirkungen ist unerlässlich.

Hat eine betriebliche Krankenversicherung Nachteile bei der Besteuerung?

Nicht jede bKV ist automatisch steuerfrei. Wird sie als geldwerter Vorteil gewertet, sind Lohnsteuer und Sozialabgaben fällig – auf Seiten des Arbeitgebers wie auch beim Arbeitnehmer. 

Lassen Sie jede bKV-Lösung vor Abschluss steuerlich prüfen, um ungewollte Mehrbelastungen zu vermeiden. 

Kann eine betriebliche Krankenversicherung Nachteile für Arbeitnehmer haben? 

Obwohl die bKV für Mitarbeitende grundsätzlich attraktiv ist, werden  in der Praxis teils auch Kritikpunkte laut: 

Abhängigkeit vom Arbeitgeber

Der Arbeitnehmer kann die Leistungen, die von der betrieblichen Krankenversicherung geboten werden, meist nur so lange nutzen, wie er in dem jeweiligen Unternehmen tätig ist. Wechselt er den Job, verliert er diesen zusätzlichen Schutz. Zwar bieten manche Versicherer eine Anschlussoption an – diese ist dann aber selbst zu finanzieren und teils deutlich teurer. 

Eingeschränkte Mitbestimmung

Der Arbeitnehmer ist nicht Versicherungsnehmer, sondern im Grunde genommen ist es sein Arbeitgeber. Dadurch hat der Arbeitnehmer auch keine Möglichkeit, individuelle Leistungen zu wählen oder vielleicht sogar unwichtige Leistungen abzuwählen. Der Arbeitgeber legt den Umfang fest, den der Arbeitnehmer in Anspruch nehmen kann. 

Steuerliche Nachteile 

Wenn die bKV als geldwerter Vorteil gewertet wird, kann dies die Nettovergütung schmälern – ohne dass der Arbeitnehmer zwingend alle Leistungen nutzt. Besonders bei jungen oder gesunden Mitarbeitenden könnte dies für Unmut sorgen. 

Kleiner Tipp für Arbeitnehmer, die den Betrieb wechseln möchten. Da die betrieblichen Krankenversicherungen oftmals die kosten für Zahnbehandlungen oder Sehhilfen übernehmen, sollten derartige Behandlungen noch in der Zeit erfolgen, in der ein Versicherungsschutz besteht.

Stimmung in der Belegschaft: Warum kann die bKV Arbeitnehmer unzufrieden machen? 

Nicht alle Mitarbeitenden profitieren automatisch von der betrieblichen KV. Leiharbeiter, die von einer Zeitarbeitsfirma vermittelt werden, Aushilfen oder ggf. auch Teilzeitkräfte. Wenn nur ein Teil der Belegschaft Zugang zu den Zusatzleistungen erhält, kann das zu Unzufriedenheit, Neid oder Spannungen führen. 

Manche Unternehmen bieten ausschließlich gut bezahlten Fachkräften mit hohen beruflichen Qualifikationen diese zusätzliche Absicherung. 

Warum ist das problematisch? Eine als unfair empfundene Benefit-Politik kann die Stimmung im Team verschlechtern und sogar Fluktuation oder Leistungseinbußen fördern. Wenn nur ein Teil der Belegschaft von der Unternehmensführung mit Zusatzleistungen belohnt wird, wird eine betriebliche Krankenversicherung eher Nachteile für den gesamten Betrieb bringen. 

Datenschutz: Sind sensible Gesundheitsdaten in Gefahr?

Ein weiterer Punkt, der übersehen werden kann: Die betriebliche Krankenversicherung kann Datenschutzfragen aufwerfen. 
Die meisten Arbeitgeber organisieren auch die Vorsorgeuntersuchungen für ihre Mitarbeiter. Diese sind bei einigen Anbietern mitunter verpflichtend, um Leistungen bei Bedarf in Anspruch nehmen zu können. So kann der Arbeitgeber zumeist auch einen Einblick in die medizinischen Befundem erhalten. 

Auch wenn Datenschutzgesetze eine Weitergabe untersagen, fühlen sich viele Mitarbeitende unwohl bei dem Gedanken, dass der Arbeitgeber über ihre Gesundheitsdaten informiert sein könnte.

Fazit

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) bietet Unternehmen und ihren Mitarbeitenden zweifellos große Chancen – sie ist jedoch kein Selbstläufer. Ohne fundierte Planung und eine passgenaue Umsetzung kann sie schnell zu den genannten Nachteilen führen: steigende Kosten, interner Unmut oder Unsicherheiten beim Datenschutz sind nur einige der möglichen Stolpersteine. 

Und das, obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen: Für Mitarbeitende bedeutet die bKV ein spürbarer Mehrwert – etwa durch schnellere Arzttermine, bessere Versorgung und finanzielle Entlastung bei Gesundheitsleistungen. Für Unternehmen wiederum zahlen sich gesündere, motivierte und langfristig gebundene Beschäftigte durch höhere Produktivität und geringere Fluktuation aus. 

Doch damit diese Potenziale auch tatsächlich wirken, braucht es eine maßgeschneiderte Lösung. Lassen Sie sich professionell beraten und wählen Sie ein bKV-Modell, das zu Ihrer Unternehmensgröße, Branche und Teamstruktur passt. So schöpfen Sie die Vorteile gezielt aus – und vermeiden unnötige Risiken von Anfang an. 

Interesse geweckt?

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Markus Abel rund 2

Markus Abel

Spezialist Betriebliche Krankenversicherung und Altersvorsorge

Versicherungsfachmann und Bankkaufmann

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